The Organon Experiment
Fabbricca del Cioccolato
Markus Keibel
2019
Plato‘s book Kratylos serves as the basis for Markus Keibel‘s „The Organon Experiment“ exhibi tion. In this work the word and consequently the language are defined as an organon, that is to say an instrument. Aristotle moves along the same lines in the „Organon“ collection of writings, in which the art of logic is described as an instrument of science. Francis Bacon expands, in his major work „Novum Organon“, the power of the mind, laying the foundations for the century of the Enlightenment. The maxim Sapere Aude (have the courage to know) of the Enlightenment is the starting point of the approach of Markus Keibel. He distributed 250 handwritten letters to the inhabitants of the Blenio Valley by asking questions about their favorite color and book. Their answers form the main part of the exhibition and are applied as color and ashes of the books on 25 stones, which stand on a silver grid in the great hall of the Chocolate Factory, as a composite sculpture directly related to the questions asked.
Als Grundlage der Ausstellung von Markus Keibel „The Organon Experiment“ dient das Buch Kratylos von Platon. In diesem wird das Wort und damit sinngemäß die Sprache als Organon, als Werkzeug de niniert. Aristoteles führt diesen Gedanken in seiner Schriftsammlung „Organon“ wei ter, in denen die Kunst der Logik als Werkzeug der Wissenschaft beschrieben wird. Francis Bacon erweitert in seinem Hauptwerk „Novum Organon“ die Kraft des Verstandes und legt damit das Fundament der Aufklärung. Dieses Sapere Aude ( habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen) der Aufklärung ist der Ausgangspunkt für das Vor- gehen von Markus Keibel. So wurden von ihm 250 handgeschrieben Briefe an die Menschen im Valle di Blenio verteilt, mit den Fragen nach ihrer bevorzugten Farbe und ihrem Lieblingsbuch. Diese Antworten sind der Haupt teil der Ausstellung und werden als Farbe und Asche des jeweiligen Buches auf 25 Steine aufge bracht. Diese stehen auf einem silbernen Raster in der großen Halle der Fabbrica del Cioccolato, als eine individualisierte Skulptur mit direktem Bezug zu den beantworteten Fragen.
Molotov
In the video „Molotow“ Keibel testifies to the beauty and destructive potential of fire showing in Super Slow Motion the explosion of a bottle full of gas. The burning of books is, for the German artist, a provocative approach that is linked to the sadly famous Index librorum prohibitorum of the Roman Catholic Church or to the infamous fires of „evil“ books perpetrated in Germany in 1933 by the National Socialist authorities. Keibel‘s work opens a discussion on censorship, as a concrete constrictive act of political power. At the same time, however, there is also another danger hanging over the printed book: that of the affirmation of an increasingly digitalized world that alters its reading. Thus, in an era of simplification and irrationality, independent thought repre sents the basis of a new coexistence and art is the field of experimentation for the development of new visions. In the picturew below: 87 bottles filled with gasoline: Glas, gas, metal, cloth. 37 x 217 cm
Die Begründung zur Wiedererstellung der Arbeit „Molotow“ von 1993 findet sich in der politischen und gesellschaftlichen Verschiebung die in diesem Zeitraum stattgefunden hat und deren gefährliche Ausprägungen noch nicht ihren zerstörerischen Zenit erreicht hat. Brandbomben sind eine effektive Waffe die ohne viel Aufwand und Kosten von jedem gebaut werden kann. Der Name selbst wurde 1939/40 von finnischen Soldaten und Zivilisten in Anlehnung an W. Molotow, den damaligen sowjetischen Regierungschef und Volkskomissar für auswärtige Angelegenheiten Stalins geprägt, der für die sowjetische Invasion Finnlands verantwortlich gemacht wurde. Molotowcocktails sind bis heute ein improvisiertes Kampfmittel, welches in seiner Geschichte von Guerillas und scheinbar Unterlegenen gegen Panzer und Armeen eingesetzt und Gruppen und Individueen die nach dem zwei ten Weltkrieg eher dem linken politischen Spektrum zugerechnet wurden. Die Verschiebung die heute zu beobachten ist, besteht darin das Brandflaschen von Terroristen und rechten extremisten benutzt werden, um Verunsicherung und Angst zu evozieren und Unschuldige und Unbeteiligte zu töten und zu verletzen. So kann anhand dieser Waffe und der Analyse ihrer Verwender ein klarer Rückschluss auf die besorgniserregende Verwerfung der Gesellschaft geführt werden. Eine Gesellschaft deren maßgebliches Ziel die Disruption der Errungenschaften der Zivilisation sind, wie die Aufklärung, der Humanismus, empirische Wahrheiten, das Rechtssystem, die Demokratie, um nur einige zu nennen. Disruption das Mode-und-Bestandswort dieser Bewegungen beschreibt das Vorhaben des Zerreißens und Zerprengens von Bestehendem nicht nur in der Ökonomie, sondern in allen Bereichen, auch den kulturellen. Somit ist die explosive Kraft von Molotows und der Zerstörung und Partikularisierung von Kultur und Zivilisation eine Metapher zum Verständnis von unserer momentanen Gegenwart. Das in der superslowmotion Aufnahme einer solchen Explosion auch ein aesthetisches Moment zu sehen ist und in den zersprun- genen frei flottierenden Teilen die Kraft zu einer neuen und unerwarteten Verbindung entstehen kann, gibt Hoffnung: denn Vielheit ist Schönheit.
Declaration of Human Rights
Markus Keibel
The Organon Experiment
La Fabbrica del Cioccolato
Fondazione per lárte
Cima Norma
Strada vecchia 100
6717 Torre, Switzerland
Exhibition from 25.5. until 12.10.2019
With many thanks to
the Presidente del Fabbrica
Giovanni Casella Piazza
Copyright: Markus Keibel






































