Traité sur la tolérance

Galerie MaxWeberSixFriedrich

Markus Keibel

Traité sur la tolérance
Ausstellung von Markus Keibel in der Galerie MaxWeber/SixFriedrich
Die beiden Bücher, die den Hauptzyklen von Markus Keibel zugrunde liegen, verfügen in einer Zeit des Dogmatismus, der Vereinfachung und des Populismus über eine erschreckende Aktualität. Wie in den Ausstellungen der vergangenen Jahre, wurden Bücher der Aufklärung und des Humanismus verbrannt und in einem metamorphosischem Akt aus der Asche Bilder geschaffen. In der Galerie MaxWeber/SixFriedrich sind es die Bücher: „Traité sur la tolérance“ von Voltaire und die wenig bekannte Menschenrechtserklärung für Frauen und Bürgerinnen: „Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne“ von Olympe de Gouges. Nachdem die allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 26. August 1789 der französischen Nationalversammlung, ein Grundlagentext der Demokratie und Freiheit, nur für Männer und Bürger galt, waren die zwölf Präambeln der ersten feministischen Gleichheitsproklamation von 1798 nicht nur mutig und notwendig, sondern auch das Todesurteil durch die Guillotine für die Autorin.
Das provokante Vorgehen, diese zeitgemäßen Bücher zu verbrennen, begründet sich in dem Versuch, diese wieder in unser Bewusstsein zu bringen und einen Diskurs über das schon Gedachte zu entfachen. In einer Gegenwart, in der das Laute, die Lüge, das Brutale Alltag geworden sind, ist es notwendig, dem Leisen, dem Seltenen, dem Anderen nachzudenken und aus den Errungenschaften der Vergangenheit zu lernen und diese mit neuem Leben zu füllen.

Asche des verbrannten Buches von 1789: Déclaration des Droits de la Femme et la Citoyenne von Olympe de Gouges.
Ausstellungsansicht Galerei MaxWeber/SixFriedrich

Idea of a circle

84 Aluminiumplatten wurden zu einem Kreis mit einem Durchmesser von 13,7m ausgelegt. Eine Kreislinie 10cm breit wurde auf die Platten mittels einer Schablone gedruckt. Die Platten wurden danach gemischt und als ein Rechteck mit den Kantenlängen von 7 x 3 m ausgelegt. Dadurch ist der Kreis zerstückelt zu erkennen und nur in Gedanken als Ganzes zu sehen. Er besteht als Idee.

Traité sur la tolérance

Voltaire ist ein genialer Polemiker, der sich in dieser Abhandlung darum bemüht, die Gläubigen zu überzeugen, ohne dabei ihr religiöses Dogma oder ihren Kult frontal anzugreifen. Er wendet sich an sie als vernünftige Menschen, die imstande sind, die Stimme der Natur zu vernehmen. Genau das ist auch heute noch wichtig für diejenigen, die sich jetzt auf Voltaire berufen, um den Laizismus oder die Freiheit des Denkens zu verteidigen.

Fragestellungen über Toleranz, gesellschaftlichen Frieden und religiöse Freiheit sind im gesamten Werk Voltaires präsent, doch in den „Philosophischen Briefen“ (1734) hat er die Bedingungen und zugleich die Auswirkungen der Toleranz wohl am besten erklärt. Als Beispiel dient ihm die Gegenüberstellung der von England errungenen Fortschritte und der Rückständigkeit des katholischen und monarchischen Frankreichs. Die religiöse Vielfalt Englands erscheint hier als das gelungene Produkt einer oft gewaltsamen Geschichte, die sich aber schließlich zur Freiheit gewandt hat. Möglich wurde sie durch den Bruch Englands mit Rom, der letzten Endes zu einer Blüte von „Sekten“ führte, von der zwar keine die andere ausschalten konnte, die aber gerade deshalb die Macht der offiziellen (anglikanischen) Kirche einschränkten.

Eine berühmte Passage aus dem sechsten „Philosophischen Brief“ liefert ein erstaunliches Bild der englischen Freiheit, deren Symbol ausgerechnet die Londoner Börse ist: „Man gehe auf die Börse in London, einen Platz, welcher ansehnlicher ist als manch ein Hofstaat, wo sich die Abgeordneten von allen Völkerschaften einfinden, um die Wohlfahrt der Menschen zu befördern. Hier treten der Jude, der Türke und der Christ miteinander in Unterhaltung, als wären sie Glaubensgenossen, und nennen nur denjenigen einen Ungläubigen, welcher bankrott ist. Hier vertraut der Presbyterianer dem Wiedertäufer, und der Anglikaner nimmt von dem Quäker Versprechungen entgegen. (…) Wenn in England nur eine Religion herrschte, so würde die unumschränkte Gewalt zu fürchten sein; wären es ihrer zwei, so würden sie sich einander die Kehle abschneiden; sie sind aber wohl an die dreißig und leben alle friedlich und glücklich.“

Plädoyer für den Pluralismus Dieser brillante Text schließt mit einem politischen Argument, dem eine große Zukunft verheißen ist: Es wird sich bei einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten wiederfinden, nämlich bei James Madison, der sich auf die glückliche Erfahrung der Pluralität der Sekten in Amerika stützt, um den politischen Pluralismus zu verteidigen. Voltaires Gedanke besitzt aber auch eine allgemeinere politische Tragweite. Er besagt, dass die Voraussetzung für religiöse (und politische) Freiheit darin besteht, dass das Handeln der Menschen trotz einer möglichen Gottesverehrung im Wesentlichen auf die diesseitige Welt ausgerichtet sein muss. Handeln darf Gott nur insofern glorifizieren, als es die Bedingungen des Menschseins verbessert. Seit seiner Abhandlung von 1763 stellt Voltaire seinen Kampf unter das Zeichen der Toleranz, was ihm erlaubt, klare Ansprüche zu formulieren, die selbst die eifrigsten Gläubigen verstehen und gutheißen sollten: Glaube hat nur Sinn, wenn er frei ist, und die Verfolgung Andersgläubiger ist somit zugleich nutzlos und unrecht. Für die Mehrheit unserer Zeitgenossen ist Toleranz ein kostbares Gut, doch zu Voltaires Zeiten war dem nicht so: Die herrschende Ansicht in den christlichen Kirchen lautete, dass man „Irrtum“ und „Wahrheit“ nicht auf dieselbe Ebene stellen könne. Historisch betrachtet taucht der moderne Toleranzbegriff in einem sehr speziellen Kontext auf: dem der Religionskriege, die durch die Reformation ausgelöst wurden. Die Idee der Toleranz geht nicht aus dem Christentum selbst hervor, sondern vielmehr aus politischen Konflikten aufgrund verschiedener Auslegungen des christlichen Dogmas, denen man kein Ende setzen kann, ohne eine gewisse religiöse Vielfalt zuzulassen. Heil erlangt man aus christlicher Sicht durch die Zugehörigkeit zur Kirche. Der Zwang hat dabei nicht nur zum Ziel, Gehorsam zu erzeugen oder Tugend zu fördern, sondern soll die Menschen in die (wahre) Kirche hineinbringen. Selbst bei den Reformatoren Luther oder Calvin bleibt dieser Punkt unstrittig und unangetastet. Auch ihnen geht es nicht um die Anerkennung eines allgemeinen Prinzips der Gewissensfreiheit, sondern darum, für ihre Kirche die bestmöglichen Bedingungen zur Autoritätsausübung zu gewährleisten. Bei den Protestanten ebenso wie bei den Katholiken werden „falsche“ Religionen und heterodoxe „Kirchen“ also nur dann „toleriert“, wenn es in bestimmten Fällen und politischen Konstellationen unvermeidlich ist.

Damit Toleranz erstrebenswert wird, müssen mehrere Dinge zusammenkommen: Man muss der Ansicht sein, dass der Wert des Glaubens von der Freiheit des Gläubigen abhängig ist, dass die Legitimität der politischen Macht nicht von der Unterstützung der religiösen Autoritäten abhängt, und dass die Machthaber in der religiösen Vielfalt keine Quelle der Schwäche für den politischen Körper sehen. Die Entwicklung hin zur Toleranz hat sich nicht linear vollzogen, und die ersten Erfahrungen in England und Frankreich zeigen eindrücklich die Grenzen dieser Entwicklung auf: Gewiss hat England nach und nach die Pluralität protestantischer Strömungen zugelassen, aber das hat weder die Hegemonie der anglikanischen Kirche zulasten der „Abweichler“ noch den Ausschluss und selbst die Verfolgung der Katholiken verhindert. Auch das Edikt von Nantes (1598), das den Reformierten in Frankreich bedeutende Rechte zuerkannte, wurde 1685 von Ludwig XIV. widerrufen.

Voltaire ist nicht der erste Philosoph, der aus der religiösen Toleranz ein Prinzip der Gerechtigkeit macht, dessen Respektierung die politischen Machthaber durchsetzen können und müssen. Unter seinen Vorläufern sind zwei große Denker zu nennen, John Locke und Pierre Bayle, beide Protestanten, die die wesentlichen Argumente lieferten, auf die sich dann der Kampf der Aufklärer stützen wird. Locke, ein liberaler Protestant, fügt sich in die große Bewegung ein, die England mit der Glorreichen Revolution von 1688 zur Förderung eines neuen politischen Regimes führen wird. Dieses beruht auf der Repräsentation der Bürger, der Beschränkung der monarchischen Macht und sieht in der (protestantischen) Freiheit eine Garantie gegen die „papistische“ Unterdrückung und die absolutistische Monarchie. Lockes „Brief über die Toleranz“ (1689) nimmt eine strenge Analyse der Zwecke der politischen Autorität vor: Sie sei von den Menschen geschaffen worden, damit sie ihre Rechte schütze und nicht, damit sie sich um ihr Seelenheil kümmere. Gleichwohl bleibt die Reichweite dieser „Toleranz“ beschränkt: Sie gilt im Wesentlichen für die verschiedenen protestantischen Konfessionen, aber weder für die Atheisten, die keinen Eid ablegen können, noch für die Römisch-Katholischen, die einem ausländischen Souverän unterworfen sind. Bayle ist näher am traditionellen Glauben und zugleich radikaler: Er macht es sich zur Aufgabe, den theologischen Wert der Gewissensfreiheit zu zeigen, die er auf alle Religionen und selbst auf Atheisten ausweitet. Doch Bayle ist auch der Ansicht, dass die absolute Monarchie die religiöse Freiheit ebenso gut schützen kann wie die konstitutionelle Monarchie in England. Voltaires Verdienst ist es, eine brillante Synthese aller Argumente zugunsten der Toleranz zu liefern und sie als zentrale politische Tugend zu etablieren.

Kampf gegen die Justiz Die Abhandlung „Über die Toleranz“ ist zunächst ein durch die Umstände bedingtes Werk, dessen erstes Ziel die Rehabilitierung von Johann Calas ist, einem reichen protestantischen Kaufmann, der 1762 in Toulouse hingerichtet wurde, weil er angeblich seinen Sohn, der zum Katholizismus konvertieren wollte, ermordet hatte. Voltaire griff in dieser Affäre die antiprotestantischen Büßerorden von Toulouse scharf an, und indirekt über sie auch die katholischen Autoritäten. Doch ging es ihm ebenso um eine grundlegende Reform des Justizsystems. Sein Kampf endete mit einem Erfolg auf ganzer Linie: Calas und seine Familie wurden 1765 rehabilitiert.

Doch interessiert uns Voltaires Werk heute vor allem wegen seiner allgemeinen These zugunsten der Toleranz, die politische und philosophische Argumente geschickt mit einer Kritik religiöser Rechtfertigungen der Intoleranz kombiniert. Intoleranz sei gefährlich, weil sie, weit davon entfernt, den gesellschaftlichen Frie den oder den Gehorsam zu begünstigen, am Ursprung gewaltsamer Unruhen und scheußlicher politischer Verbrechen stehe. Im Gegensatz dazu seien die Völker, die Toleranz übten, friedfertiger, gedeihlicher und glücklicher. Intoleranz entspräche weder dem „Naturrecht“ noch dem „Menschenrecht“, denn diese Rechte seien auf die Maxime gegründet: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“

Schließlich liefere auch die Geschichte kein Argument zugunsten der Intoleranz: Die Griechen und Römer hätten sich nicht der Intoleranz bedient; die Geschichte der alten Hebräer zeige, dass ihre Anbetung des einen Gottes sie nicht daran gehindert habe, tolerant zu sein; nichts erlaube den Gedanken, dass Jesus Christus Intoleranz gelehrt habe; und die Geschichte der christlichen Nationen sei gesäumt von Zeugnissen wider die Intoleranz. Nichts in ihrer Religion autorisiere also die christlichen Kirchen dazu, intolerant zu sein, während Vernunft und Natur sie zu Toleranz verpflichten würden. Dieses Argument suggeriert auch, dass der Anspruch der Kirchen, den einzigen Zugang zum Heil gewähren zu können, illusorisch sei. Voltaire zielt darauf, die Überlegenheit der Philosophie und der „Natürlichen Religion“ hervorzukehren – einer Religion, die ohne den Beistand der Offenbarung allein auf der Vernunft beruht. Damit ordnet sich Voltaires Toleranzbegriff in einen bestimmten Horizont ein: den Niedergang des traditionellen Glaubens zugunsten einfacherer und weniger ausschließlicher Glaubensformen, deren Voranschreiten mit der Neuorientierung des menschlichen Handelns auf das irdische Diesseits einhergeht.

Freiheit als Bedingung
Unsere Zeitgenossen haben also gute Gründe dafür, wieder Voltaire zu lesen, um den Wert der Toleranz zu verteidigen. Dank Voltaire können wir auch verstehen, wie sich dieser Wert in der modernen Welt hat behaupten können. Dafür musste der Staat seine Vorherrschaft über die Religion festigen, und mehrere Religionen mussten lernen, in ein und demselben politischen Körper zu koexistieren – und dieser Umsturz konnte sich nur vollziehen, weil die Menschen es de facto akzeptiert haben, die Suche nach dem Glück auf Erden über die Suche nach dem Seelenheil zu stellen. Das Akzeptieren der Toleranz ist an das Auf kommen einer säkularisierten und individualisierten Welt geknüpft, deren Bedingung und auch Folge die moderne Freiheit ist. Bekanntlich kann sie allein aber weder die Frage nach dem Sinn noch das Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu inklusiven Gemeinschaften stillen. Wir brauchen Voltaires Denken, um diese Welt zu verteidigen; weniger klar ist, ob dies auch ausreicht, um die Herausforderungen zu verstehen, vor die sich unsere Welt gestellt sieht.

Philippe Raynod, Phgilosophie Magazin

Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne

Olympe de Gouges

Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin (franz. Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne) wurde am 5. September 1791 von der französischen Frauenrechtlerin Olympe de Gouges verfasst, um sie der französischen Nationalversammlung zur Verabschiedung vorzulegen. Sie forderte darin die volle rechtliche, politische und soziale Gleichstellung der Frauen. Die Schrift war eine Reaktion auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die am 26. August 1789 kurz nach Beginn der Französischen Revolution verkündet worden war. Allerdings galten die darin enthaltenen Rechte und Pflichten nur für „mündige Bürger“. Mündige Bürger waren bis zu diesem Zeitpunkt (September 1791) nur als Männer definiert. Frauen hatten kein Wahlrecht (sie erlangten dies in Frankreich erst im Jahr 1944), ebenso keinen Zugang zu öffentlichen Ämtern, keine Berufsfreiheit, keine Eigentumsrechte und keine Wehrpflicht. Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin war die Grundlage für die spätere Einführung des Frauenwahlrechtes in Europa. Auszug aus der Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin Bearbeiten Art. I: Die Frau wird frei geboren und bleibt dem Mann an Rechten gleich […] Art. II: Das Ziel jeder politischen Vereinigung ist die Bewahrung der natürlichen und unverjährbaren Rechte von Frau und Mann: diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, Sicherheit und vor allem Widerstand gegen Unterdrückung. Art. III: Die Grundlage jeder Staatsgewalt ruht ihrem Wesen nach in der Nation, die nichts anderes ist als die Wiedervereinigung von Frau und Mann […] Art. IV: Freiheit und Gerechtigkeit bestehen darin, alles zurückzugeben, was einem anderen gehört. So hat die Ausübung der natürlichen Rechte der Frau keine Grenzen außer denen, die die ständige Tyrannei des Mannes ihr entgegensetzt. Diese Grenzen müssen durch die Gesetze der Natur und der Vernunft reformiert werden. Art. V: Die Gesetze der Natur und der Vernunft verbieten alle Handlungen, die der Gesellschaft schädlich sein können. Alles, was nicht durch diese weisen und göttlichen Gesetze verboten ist, kann nicht verhindert werden […] Art. VI: Das Gesetz muss Ausdruck des Gesamtwillens sein; alle Bürgerinnen und Bürger müssen persönlich oder durch einen Stellvertreter zu seiner Entstehung beitragen: alle Bürgerinnen und Bürger, die ja in seinen Augen gleich sein, müssen gleichermaßen zu allen Würden, Stellungen und öffentlichen Ämtern zugelassen sein […] Art. VII: Keine Frau ist ausgenommen; sie wird in den vom Gesetz bestimmten Fällen angeklagt, festgenommen und gefangen gehalten. Die Frauen sind wie die Männer diesem unerbittlichen Gesetz unterworfen. Art. VIII: Das Gesetz darf nur Strafen festsetzen, die unbedingt und offensichtlich notwendig sind […] Art. IX: Auf jede für schuldig befundene Frau wird die ganze Strenge des Gesetzes angewandt. Art. X: Niemand darf wegen seiner Überzeugungen, auch wenn sie grundsätzlicher Art sind, belangt werden. Die Frau hat das Recht das Schafott zu besteigen; sie muss gleichermaßen das Recht haben, die Tribüne zu besteigen […] Art. XI: Die freie Gedanken- und Meinungsäußerung ist eines der kostbarsten Rechte der Frau, da diese Freiheit die Legitimität der Väter gegenüber den Kindern sichert. Jede Bürgerin kann deshalb frei sagen: „Ich bin Mutter eines Kindes, das Euch gehört“, ohne dass ein barbarisches Vorurteil sie zwängt, die Wahrheit zu verbergen […] Art. XII: Die Garantie der Rechte der Frau und der Bürgerin muss einem höheren Nutzen verpflichtet sein. Diese Garantie muss dem Vorteil aller gegründet sein und nicht auf dem besonderen Nutzen derer, denen sie gewährt wird. Art. XIII: Für den Unterhalt der Staatsmacht und für die Ausgaben der Verwaltung sind die Beiträge von Frau und Mann gleich. Sie ist beteiligt an allen Frondiensten und mühseligen Arbeiten; sie muss deshalb gleichermaßen beteiligt sein an der Verteilung der Posten, der Anstellungen, der Aufträge, der Würden und der Gewerbe. Art. XIV: Die Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, selbst oder durch ihre Stellvertreter die Notwendigkeit der öffentlichen Steuer festzustellen. Die Bürgerinnen können dem nur zustimmen, wenn eine gleichmäßige Teilung zugelassen wird, und zwar nicht nur beim Vermögen, sondern auch bei den öffentlichen Ämtern, und sie die Höhe, die Veranlagung, die Eintreibung und die Dauer der Besteuerung mitbestimmen. Art. XV: Die Masse der Frauen, die durch die Steuerleistung, mit der der Männer vereinigt ist, hat das Recht, von jedem öffentlichen Beamten Rechenschaft über seine Verwaltung zu verlangen. Art. XVI: Jede Gesellschaft, in der die Garantie der Rechte nicht gesichert und die Trennung der Gewalten nicht festgesetzt ist, hat gar keine Verfassung. Die Verfassung ist null und nichtig, wenn nicht die Mehrheit der Individuen, die die Nation bilden, an ihrer Ausarbeitung mitgewirkt hat. Art. XVII: Eigentum kommt allen Geschlechtern zu, gemeinsam oder getrennt […] niemand kann seiner als eines wahren Erbteils der Natur beraubt werden […] Wikipedia

Révolution Francaise

Die Französische Revolution von 1789 bis 1799 gehört zu den folgenreichsten Ereignissen der neuzeitlichen europäischen Geschichte. Die Abschaffung des feudal-absolutistischen Ständestaats sowie die Propagierung und Umsetzung grundlegender Werte und Ideen der Aufklärung als Ziele der Französischen Revolution – das betrifft insbesondere die Menschenrechte – waren mitursächlich für tiefgreifende macht- und gesellschaftspolitische Veränderungen in ganz Europa und haben das moderne Demokratieverständnis entscheidend beeinflusst. Als zweite unter den Atlantischen Revolutionen erhielt sie ihrerseits orientierende Impulse aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskampf. Die heutige Französische Republik als liberal-demokratischer Verfassungsstaat westlicher Prägung stützt ihr Selbstverständnis unmittelbar auf die Errungenschaften der Französischen Revolution.

Copyright: Markus Keibel, Galerie MaxWeber/SixFriedrich, 2019

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