UltraUtopia 2
Markus Keibel
UltraUtopia 2
3 metaphorical stones for a vertical thinking of a new enlightenment
or to think for oneself
In einer Zeit des grassierenden Irrationalismus, der den Boden bereitet auf dem sich ein neur Reaktionismus, Nationalismus und ein Angst schürender Populismus ausbreitet, ist es notwendig das Licht der Aufklärung wieder zum leuchten zu bringen und mit einem kant´schen „Sapere aude!“, dem“Wage zu wissen“ die Menschen aus ihrer selbstgeschaffenen Lethargie zu reißen und ihnen zuzurufen:
habe den Mut selbst zu denken.
Ein homöopathischer Versuch hierfür startet am 21.10.2016 im Space for artistic research in Düsseldorf mit der Ausstellung: UltraUopia 2, 3 metaphorical stones of a vertical thinking of a new enlightenment, or to think for oneself. Als visueller Ausgangspunkt dient, wie in der Ausstellung UltraUtopia, welche bis zum 26.10.2016 in der Anna Jill Lüpertz Gallery in Berlin zu sehen ist, der für die Weltausstellung 1929 gebaute Pavillon von Mies van der Rohe, mit seinen Marmorwänden, die in ihren Schnitten den von Hermann Rohrschach entwickelten psychodiagnostisches Testverfahren gleichen. Die Architekurikone von Mies van der Rohe ist Grundlage für die Ausstellung als ein Versprechen der Moderne, welches wie viele weitere eingelöste und uneingelöste Versprechen der Moderne, ihren Errungenschaften und Fehlleitungen für eine Diskussion sorgen sollen, darüber was wir aus diesem ehemals avantgardistischem Gedankegut in das 21. Jahrhundert tragen wollen.
Ein weiteres Element der Ausstellung ist die Asche verbrannter Bücher der Aufklärung und des Humanismus. Folgende Texte wurden dafür verwendet: „Kant, Was ist Aufklärung“, „Diderot, Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ und die „Universal Declaration of Human Rights“ der Vereinten Nationen. Die Asche erscheint auf den Bildern, in ihrer dem Inhalt des Buches zugrunde liegnden Interpretation und auf den Folien an den Wänden und den darin enthaltenen Spiegelungen und Wiederholungen der Tests von Rohrschach. Das Wasserbecken des Pavillons von Mies van der Rohe und die Skulptur „Morgen“ von Georg Kolbe werden als architektonisches Zitat verwen det und frei interpretiert, in sechzig 50cm x 50cm großen Glasplatten, die zu einem Rechteck von 5m x 3m auf dem Boden gelegt werden und an Arbeiten von Carl Andre erinnern und wie diese begehbar sind. Der Unterschied zu Andre besteht darin, daß die 2mm dicken Glasplatten bei dem Begehen zerbrechen und nicht nur den dünnen Grund auf dem wir uns bewegen vor Augen führen, sondern auch ein akkustisches Erleben mit sich bringen. Auf diesen Glasplatten stehen drei bearbeitete Steine vom Rhein, als eine bildhauerische Gweichtung, gleich der Skulptur von Kolbe im Barcelona Pavillon.
Die provokante Aktion eines deutschen Künstlers Bücher zu verbrennen, erzeugt im bestmöglichen Sinn eine Aufregung und ein Diskurs über das was sich in einer voranschreitenden Digitalisierung verändert und verschwindet. Ein Diskurs der gesellschaftlich kaum geführt wird und der drin gend notwendig ist in einer Zeit des zunehmenden Irrationalismus, hin zu Verantwortung für sich selbst und die Mitmenschen, hin für die Liebe zu allem Lebendigen.
Die Ausstellung fand in Düsseldorf 2016 im Space for Artistic Research statt.
Materialien: Glas, Asche, Folie, Aluminium, Acryl, Lack, Stein, Spiegel. Masse: variabel.






